36 Aufnahmen / We built this City on Rock 'n' Roll.

Dürfte in Wriezen gewesen sein © Kai von Kröcher, 2006















Scattered pictures of the smiles we left behind. +++ Wo wir gestern gerade bei Grimmen waren, einem Städtchen in Vorpommern. Da darf auch ein Foto aus Wriezen nicht fehlen, das ich jetzt zwischen all den Filmstreifen entdeckt habe. Auch wenn es in Brandenburg liegt: Ohne Wriezen gäbe es die Gaststätte der Herzen nicht, aber das steht wieder auf einem anderen Blatt. +++ Also, ich glaube zumindest, dass das auf dem Foto in Wriezen war, ist aber egal. +++ Heute Abend, und da wird es mal wieder Zeit für etwas Namedropping, da muss ich mich jetzt beeilen: Heute Abend nämlich findet die nunmehr 53. Verleihung des Grimme-Preises statt. Unter den Nominierten mit seinem Hybridfilm California City auch unser Resident-DJ, wenn man das mal so sagen darf: Fuzzy Dunlop. +++ Guter Film übrigens. +++ Im Internet, wie wir mit der Gnade der frühen Geburt ehrfurchtsvoll immer noch sagen, da habe ich mich gestern mal so ganz uneitel ein bisschen selber gegoogelt. Und bin dort auf eine Webseite gestoßen, die ich irgendwann einmal angefangen – und dann vollkommen vergessen hatte. Irgendwie nervte mich der ganze Kram, und ich kann mich nicht mal erinnern, sie jemals online gestellt zu haben. Sieht gar nicht so übel aus, ist halt so ein Baukasten für Leute, die keine Ahnung von Programmierung oder so haben, checkt es ruhig aus: http://www.kaivonkroecher.berlin +++ Zu sehen sind 36 Bilder, so wollte ich früher mal eine Kreuzberg-Serie nennen, oder so ungefähr. +++ Dann kann's ja jetzt losgehen. +++ Hybridfilm in diesem Fall übrigens heißt ungefähr Mischung aus Spielfilm und Dokumentation: Bastian Günther hat ihn vor drei Jahren in etwa irgendwo in der Mojave-Wüste gedreht – wie immer mit dem großartigen Michael Kotschi hinter der Kamera. +++ Schwierige Frage zum Schluss: Was sind für euch die bescheuertsten Kacksongs der Welt? We Built this City – oder vielleicht auch The Heat Is On?

Überschrift inspired by: Kleinbildfilm mit 36 Aufnahmen
Überschrift also inspired by: We Built This City © Starship, 1985
Lyrics: The Way We Were © Barry Manilow (Cover), 2007
California City © Bastian Günther (Idee & Regie), D/USA 2014
The Heat Is On © Glenn Frey, 1984

Osten währt am längsten / Take a Ride.

Berlin, Centrum-Warenhaus (1973)

Berlin, Galeria Kaufhof © Kai von Kröcher, 2008

Prenzlau (1979)

Prenzlau © Kai von Kröcher, 2006

Dresden, Filmtheater (1978)

Dresden, "Rundkino" © Kai von Kröcher, 2006

Rostock, Lütten-Klein (1970)

Rostock, Lütten-Klein © Kai von Kröcher, 2006

Diemitz, Kinderferienlager (1977)

Diemitz, Schullandheim © Kai von Kröcher, 2006

Grimmen, "Treffpunkt" (1974)

Grimmen, "Treffpunkt Europas" © Kai von Kröcher, 2006

Dresden, Prager Straße (1974)

Dresden, Prager Straße © Kai von Kröcher, 2006

Strausberg (1968)

Strausberg, "Klub am See" © Kai von Kröcher, 2006

Berlin, Palast der Republik (1977)

Palast der Republik © Kai von Kröcher, 2006














































































































































































Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer. +++ Also, entweder war früher echt alles besser, was eigentlich nicht ganz wahrscheinlich ist. Oder meine Fotos sind einfach scheiße, das wäre zumindest eine Erklärung. +++ Auf jeden Fall, beim endlosen Scannen bin ich mehrmals fast durchgedreht – und einmal ist mir das Bein eingeschlafen, da habe ich mich beim Aufstehen halb auf die Klappe gelegt. +++ Was hatte Franz Beckenbauer eigentlich in der Überschrift neulich verloren, das ergab keinen Sinn? +++ Und damit lasse ich die Welt jetzt alleine mit (m)einem Fotoprojekt von vor knapp über zehn Jahren. Am meisten haben damals die Mineralölkonzerne an mir verdient, das finde ich fair. +++ Die Originalaufnahmen, das jetzt nur dazu, das sind alles Postkarten aus der sogenannten "Sogenannten", die stammen alle aus einem Buch. Mit dem bin ich monatelang durch die frühere DDR gefahren und habe die alten Motive und Perspektiven gesucht. +++ Vieles war leider verschwunden. +++ Normalerweise finde ich es übrigens ziemlich asi, keine Quellen und Copyrights anzugeben – doch nach den rund zweitausend Euro Strafe, die ich fürs Posten eines nur daumennagelgroßen Honecker-Fotos mal hatte abstottern müssen, bin ich da etwas linkisch geworden: Habe eh grad auch schon eine Nuss mit dem Finanzamt zu knacken. +++ So sieht es mal aus – demnächst zieh' ich beim Uli Hoeneß mit in die Zelle, das ist jetzt natürlich nur Spaß: Geht alles seinen sozialistischen Gang!

Überschrift inspired by: Osten währt am längsten © Deutsch-Amerikanische Freundschaft, 1980
Überschrift also inspired by: Take a Ride © Reigning Sound, 2001
Lyrics: Unsre Heimat (Lied der Pionierorganisation Ernst Thälmann) © Keller/Naumilkat, 1951

And the Castle is Brighter than a Thousand Christmas Trees / Die Kälte des Lebens.

Ehem. Kinderferienlager, Diemitz © Kai von Kröcher, 2006

Neubrandenburg © Kai von Kröcher, 2006

Karlshagen/Usedom © Kai von Kröcher, 2006







































"Hat die Kleine irgend'n Fehler gemacht?" – "Was für'n Fehler soll sie gemacht haben, hm? Doch, sie hat einen gemacht, und ich sag dir auch, welchen: Sie ist keine Nutte – und wird im Leben keine sein. Wo kommt sie überhaupt her?" – "Was weiß ich, irgendwoher. Spielt doch gar keine Rolle, woher. Was fragst'n noch? Na gut, vielleicht ist sie nicht der Typ für den Großmarkt. Ich muss euch da wegbringen." – "Von wo wegbringen?" – "War das so schwer?! Vom Großmarkt, hab' ich gesagt!" +++ Die Bilder heute, die lagen als langer, ungeschnittener Diafilmstreifen bei mir oben im Schrank. Da stand auch nichts weiter drauf. Als Künstler würde ich sagen, ich fände das spannend, dass da nichts draufstand. Wenn ich Spannung will, dann schaue ich mir einen Derrick an – mit Ursela Monn und Claude-Oliver Rudolph! +++ Das Komische an dem Schlenker über den Harz neulich war, dass ich keine Kamera dabei hatte, ich muss mir die Bilder jetzt merken. Noch komischer wäre gewesen, das hörte ich später, als ich wieder im Auto saß: An vielen Sehenswürdigkeiten weltweit war genau an dem Abend für einige Zeit die Beleuchtung abgedreht worden, von einer dieser großen Umweltorganisationen irgendwie. Um darauf aufmerksam zu machen, nehme ich an, dass alles den Bach runtergeht. Über Wernigerode aber thronte im hellen Schein in den Bergen oben das Schloss. Das wäre vielleicht was gewesen: das allererste Mal in Wernigerode und dann alles duster, naja. +++ Wie findet ihr heute die Bilder? Ich habe jetzt doch noch alte Aufzeichnungen dazu gefunden: Ich hätte einen Zehner gewonnen, hätte ich den auf Neubrandenburg gesetzt. +++ Ist übrigens ein rückwärts gecrosster Agfa-Vista-Negativfilm, der ergab immer so Dias mit Rotstich. +++ Im Club neulich habe ich eine Fotografin kennengelernt, dagegen klingt das mit dem rückwärts gecrossten Agfa-Vista-Negativfilm nach – wie sagt man, wenn irgendwas aufgeblasen und hohl ist? +++ Wegen Harz fällt mir übrigens ein, wie wir als Pubertierende gelacht haben, damals am Mittagstisch: Unsere Eltern erzählten, wie seinerzeit ihre Hochzeitsreise nach Braunlage im Harz gegangen war. Vier Jahre nach Kriegsende – da flog man nicht auf die Malediven, das muss man nicht einmal einem Doofen erklären. Wir aber, verwöhnte Spätwirtschaftswunderwohlstandsgenerationskinder, wir haben uns unser Mittagessen reingeschaufelt und überheblich gelacht.

Überschrift inspired by: The Castle © The Flaming Lips, 2017
Überschrift also inspired by: Derrick – Die Kälte des Lebens © ZDF, D 1989
Dialog: Ursela Monn, Claude-Oliver Rudolph in: Derrick – Die Kälte des Lebens, 1989

Bibi was a Rock 'n' Roll Nigger / Eine Zeitlupengardine.

Blick aus dem Speicher (17.3.) © Kai von Kröcher, 2017

Blick aus dem Wohnzimmer (27.3.) © Kai von Kröcher, 2017





























And I hope you'll be already home. +++ Benzingerode im Harz übrigens hat eine beeindruckende Dorfkirche, wenn man da früh nachts so durchfährt und keine Ahnung hat. +++ Auch wieder seltsam, was einem alles erst so nach dreißig bis vierzig Jahren aufgeht. Doch als ein Mann sah ich die Sonne aufgehen. Peter Maffay. Dafür gehört ihm ein Denkmal gesetzt, aber egal. Wernigerode zum Beispiel, da hatte ich immer gedacht, das hieße "Werningerode". +++ Laura Guidi zum Beispiel covert live ja gerne Rock 'n' Roll Nigger, und bei den Proben neulich hätte ich ihr beinahe zugeraunt, das hieße nicht "Baby", sondern natürlich "B.B." – so Schlaumeier mäßig. Seit Ende der Siebziger ungefähr habe ich immer geglaubt, das sei eine Hommage an B.B. King. +++ "Baby" klingt aber echt auch wirklich banal, wenn man seit vierhundert Jahren denkt, das heißt "B.B."! +++ Heißt aber ohne Quatsch "Baby"! +++ Gestern, die jungen Menschen, ließen das erste Schlauchboot des Jahres ins Wasser (Foto). Kann also losgehen. Durch meine patinierte Fensterscheibe hatte das was von Bilitis, obwohl es mich viel mehr an Picknick am Valentinstag erinnerte. Wenn man vergleicht, wie das vor nicht mal zwei Wochen noch aussah, wenn man da damals bei Laura Guidi im Übungsspeicher durchs zugige Fenster sah. +++ Sehr viele Informationen heute. Geballt. Viel zu verarbeiten in unserer schnellen Zeit: Im Club gestern Abend lauschten wir kurz einmal Blinken am Horizont; der Fotograf Klindt fragte sich laut, was denn jetzt eine "Zeitlupenmargarine" sein soll. Ich musste das heute noch einmal nachhören. +++ Margarine sei bestimmt wieder einmal von den Nazis erfunden worden, stellte ich kurz in den Raum – war mir dabei aber nicht sicher. +++ Interessierte aber auch keinen. +++ Den Song geschrieben übrigens hat Niels Frevert für seine damals kurz zuvor verstorbene Mutter: Er wünscht sich darin, sie schriebe ihm mal eine Postkarte aus dem Jenseits. Vorn drauf ein Fischerboot im Sonnenuntergang. Und wackelt mal irgendwo kurz die Gardine, denkt er, das könnte ein Zeichen sein, glaube ich. +++ Bei Wikipedia steht, man sagt zum Brocken auch "Blocksberg" – im Volksmund, das hab' ich noch nie gehört. Früher saß da oben der Russe. Wir Wessi-Kids kamen ja immer nur bis nach Königskrug oder St. Andreasberg damals – mit der Schule zum Skifahren: Mei, war des schee!  

Überschrift inspired by: Bibi Blocksberg (Kinderhörspielserie) © Elfie Donnelly (Schöpferin), seit 1980
Überschrift also inspired by: Rock 'n' Roll Nigger © Patti Smith, 1978
Überschrift also inspired by: Blinken am Horizont © Niels Frevert, 2011
Lyrics: Already Home © Alex the Astronaut, 2017 
Es war Sommer © Peter Maffay, 1976
Bilitis © David Hamilton (Regie), F/I 1977
Picknic at Hanging Rock © Peter Weir (Regie), AUT 1975
Brocken/Harz – 1141,2 m über Normalhöhennull, höchster Berg Norddeutschlands

Szenetreff No. 1 in Wernigerode / Die Toteninsel.

Eisenhüttenstadt © Kai von Kröcher, 2001















I've seen the yellow lights go down the Mississippi. +++ Und die Sonne sah ich rot hinter dem Brocken untergehen. Am Sonnabendabend, da stand er in schwarzbraunem Blau wie ein mystischer Fels: "Oben sitzt der Russe", wie unser Englischlehrer den englischen Austauschschülern im April 1980 erklärte. +++ Wernigerode bei Nacht scheint gar nicht schlecht – im Dunkeln nicht typisch totrenoviert. Radiohören in Ostniedersachsen und auch in West-Sachsen-Anhalt ist trotzdem nur was für Nerven aus Stahl. +++ Dumpfrock zum Fahren auf nächtlichen Landstraßen ist übrigens besser als sagen wir mal: Rachmaninow – zu Dave Gröhl und den Foo Fighters klopfte ich kontrolliert auf dem Lenkrad. +++ Eigentlich wollte ich heute etwas ganz anderes erzählen.

Überschrift inspired by: Das Bonaparte – der Szenetreff No. 1 in Wernigerode/Harz
Überschrift also inspired by: Die Toteninsel © Sergej Rachmaninow, 1909
Lyrics: Far Far Away © Slade, 1974

Franz Beckenbauer / Mysterious Ways.

Polaroid © Carsten Klindt, frühe 1990er






















"Passivrauchen ist das neue Atmen." +++ Wie man sich täuschen kann: von wegen "südländisch" oder "Verkehrsschild"! +++ Heute Abend mit DJ im Club: Hackelboerger, unser Mann sozusagen bei Universal. Hackelboerger feiert Geburtstag und legt ein ganz bisschen auf. +++ Was mich etwas nervös macht: Der Steuerprüfer blieb statt dem einen angesetzten Tag, nämlich dem Montag, direkt gleich bis zum Mittwoch in meinem Steuerbüro – ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? +++ I have nothing to declare except my genius. +++ Wie man sich jedenfalls täuschen kann. Carsten Klindt nämlich schrieb eine SMS, die bringt vielleicht Licht in die Sache. Er schreibt: "Also die Stehlampe, respektive das Straßenschild, ist in Wahrheit ein Leuchtturm in der Nordsee. Im Vordergrund versucht ein abgeschnittener Kopf über den Deich zu schauen. Der Deich ist in Wahrheit aber das Ende des Films. Polapan KB-Diafilm, kopiert auf Polaroid, Nordsee, Anfang der 90er." +++ Abgeschnittener Kopf? +++ Ja, wie gesagt: heute Abend der Hackelboerger – mein Worterkennungsprogramm erkennt das Wort "Hackelboerger" nicht. +++ Den Leuchtturm erkenne ich dafür nicht...! 

Überschrift inspired by: Franz Beckenbauer (* 1945, München), deutscher Fußballspieler
Überschrift also inspired by: Mysterious Ways © U2, 1991
Zitat: "Passivrauchen ist das neue Atmen" © HLB, neulich im Club
"I have nothing to declare ..." © Oscar Wilde (vielleicht aber auch nicht...)

Looking at Pictures in my Head / Trockenbau und Romantik.

Polaroid © Carsten Klindt, (?)























Wishing I was young forever. +++ Machen wir's kurz, ich will den Tag heute nicht am Laptop verplempern – wenn auch noch immer der zweitschönste Platz, direkt nach dem an der Theke: Das Polaroid (oben) jedenfalls, jetzt komm' ich textlich/gedanklich gerade nicht weiter, es gehörte zu einer Geschenkverpackung. Im Halbdunkel der Nacht gestern Abend hatte ich darauf eine Sofakante ausgemacht und eine Stehlampe – bei Tageslicht allerdings Unsinn: Carsten Klindt jedenfalls hat es fotografiert, und obwohl von der Nordsee gebürtig (er), würde ich wegen des Vorfahrt-gewähren-Schildes eher zehn Euro auf südländisch tippen. Leider weiß ich das Jahr nicht, aber im Prinzip nicht so wichtig. +++ Apropos: Der Frühlingsanfang ist mir in den letzten Jahren annektiert worden, wie ihr wisst, auch wenn das wie falsches Deutsch klingt. Denn früher, seit ich ganz klein war, ein Kind sozusagen, und dann später auch immer noch, als Heranreifender und junger Erwachsener. Jedenfalls hatte ich beinahe jedes Jahr immer am Frühlingsanfang Geburtstag – das war Gesetz, eine Naturgewalt. Und dann eines Tages kam irgend so ein Gelehrter, der sagte: wir schreiben die Hitlertagebücher neu. Den Kalender hat er sich bei der Gelegenheit gleich mit vorgeknöpft. Und jetzt habe ich nur noch ungefähr alle fünfzig Jahre am 21. März! +++ Der letzte Satz ist natürlich ein Scherz, das geht ja gar nicht – aber das mit dem Frühlingsanfang stimmt ungefähr so. +++ Und das mit dem Trockenbau oben war mir neulich so durch den Kopf gegangen: Postfaktische Lyrik, und trotzdem nicht ohne Sinn und Verstand. +++ Kann man mal bringen...  

Überschrift inspired by: Red Lights © Angu, 2004
Überschrift also inspired by: Trockenbau und Romantik (Fragment) © Kai von Kröcher, 2017
Lyrics: It's Been Done © Angela McCluskey, 2004
Der schönste Platz ist immer an der Theke © Toni Steingass, 1950

Theodor Storm im Wasserglas / Lichtschreinerei.

Spreespeicher © Kai von Kröcher, 2017

Spreespeicher © Kai von Kröcher, 2017

Laura mit Band, Fidicinstraße © Kai von Kröcher, 2017








































Ich schwör' Ihnen, das Publikum weint vor Rührung, wenn Sie Inge Meysel als Geisel nehmen. +++ Heute zu Mittag wurde ich doch etwas unruhig: Ich würde nun doch endlich rüber zum Club stiefeln müssen, die verdammte Markise reinkurbeln. Vor meiner Haustür lief ich der jungen Bosnierin oder Kroatin ins Rad, die ab und zu sagt, ich würde nicht älter. Warum weiß ich bloß nie, ob sie mich auf den Arm nimmt? Ich sagte: "Ich muss mal schnell rüber zum Club, die fucking Markise reinkurbeln." Sie sagte, sie sei gerade beinah vom Fahrrad geweht worden. Und: "Ich habe noch nie solche Wellen auf dem Kanal gesehen!" Das gleiche war mir auch gerade durch den Kopf gegangen, doch ich war mir nicht sicher. Dramatisches Sonnenlicht brach sich auf tosenden Schaumkronen – sagt man das so? +++ Game over, Krauts! sollen super gewesen sein, gestern – da saß ich in einem Keller an der Fidicinstraße oben. Irgendeiner hatte die wichtigste Glühbirne herausgedreht, und so zimmerte ich experimentelle Bilder. Schönes Konzert, tolle Band. Schade, Matteo Tambussi passte nicht mehr mit auf das Bild: Der spielte die most tasty oder tastieste Gitarre, wie ich sie seit Neil Reynolds nicht mehr gehört habe. Das ist beinah schon wieder fast zwanzig elende Jahre her. +++ Nachmittags vor dem Gig durfte ich Laura mit Band schon im Studio treffen, im vierten Stock eines Speichergebäudes direkt an der Spree. Menschen scheint es dort auch zu geben: Man sah ihre Spuren, traf aber nirgendwo einen. Ich musste mich an den Soundwellen orientieren, bahnte mir wie eine Fledermaus einen Weg durch recht zwielichtige Lagerhallen. Der Wind pfiff durchs Fenster – der Schreck meines Lebens fuhr mir in Mark und Bein, als hinter einem Mauervorsprung ein bewaffneter Flugzeugentführer auftauchte. +++ Warum freu' ich mich immer, wenn Gomez ein Tor schießt? +++ In dem angehipsterten Laden an der Fidicinstraße am Abend wohnten auch Katzen, sie nannten das so: Wohnen. Die eine war groß wie ein Luchs, es roch ein bisschen nach Sheba.

Überschrift inspired by: Der Schimmelreiter (Novelle) © Theodor Storm, 1888
Überschrift also inspired by: Fotografie (aus altgriechisch φῶς phōs, im Genitiv φωτός photós 'Licht' 
                             und γράφειν graphein 'schreiben', 'malen', 'zeichnen', also "Zeichnen mit Licht")
Lyrics: Guten Tag, Herr Filmproduzent © Udo Lindenberg, 1975

Mendocino / Country Disappeared.

Laura Guidi, Session-Outtake © Kai von Kröcher, 2017





















Sie nimmt dich mit nach Chicago, nach Chicago. +++ Am Südstern vor ein paar Tagen lief mir der anonyme Filmemacher beinah ins Rad, das ist auch fast schon wieder gelogen: Kurz vorher war mir einer der Bautenzüge gerissen – der Bremsweg war träge und lang, wie man es sich bei Containerfrachtschiffen erzählt. Wir smalltalkten kurz über Union, den VfB Stuttgart, dies und das. Sein letzter Kurzfilm tourt seit ungefähr einem Jahr über die Festivals rund um die Welt, und irgendwo holt der immer grad einen Preis. "Demnächst", meinte er, und da tauschten wir kichernde Blicke, "läuft er in Mendocino!" +++ Die U42-Generation versteht heute wieder kein Wort. +++ Und das ist auch gut so. +++ Auf Gran Canaria, über zwanzig Jahre ist das nun echt schon wieder her, da fuhr ich mit einem Freund mal durch den kleinen Ort San Bernadino: Wir hatten uns einen Mietwagen genommen – ich glaube sogar, einen Citroën+++ Im Club heute Abend: der Loungelord. +++ California City zum Beispiel ist ja für den Grimmepreis jetzt Ende März nominiert: Seit anderthalb Jahren hängt das Plakat unprätentiös unter einem der Kleiderhaken im Club, in R-Monaten meistens von Mänteln verdeckt. Noch schlummert es dort, ein verwunschenes Kristall – doch draußen summt leise schon der Frühling sein Lied. +++ Das Foto heute ist ein sogenanntes oder -genannter "Outtake" – von einer Session mit Laura Guidi im letzten Monat: War nur mal so eine Idee, doch niemand kann meine Automechanikerlampen leiden. Immerhin – und da kann man jetzt sagen, der spinnt – erinnert das Bild mich auf eine Art an Patti Smiths Easter. +++ Die Welt im Moment kommt mir noch einen Tick crazymäßiger vor als sowieso schon, das wird wohl mein subjektives Empfinden sein. +++ Genau: Laura Guidi mit Band morgen live in einem Laden in der Fidicinstraße oben, da finde ich gerade nichts drüber auf Facebook. Ich glaube, der heißt T-Berlin irgendwie, oder so. Mit Band, das soll super sein: Neulich, da hatte sie auch schon mit Band im Kaffee Burger gespielt, an der Torstraße in Mitte. Und im Club, Stunden danach, trudelten Leute ein, die kamen gerade daher – und kamen mir ganz aus dem Häuschen vor. +++ Morgen Abend wieder im Club: Game over, Krauts!        

Überschrift inspired by: Mendocino © Michael Holm (Cover), 1969
Überschrift also inspired by: Country Disappeared © Wilco, 2009
Lyrics: Chicago © Clueso, 2006
Nachspiel / Aftermath (Kurzfilm) © Ralf Beyerle (Drehbuch, Regie), D 2016
San Bernadino © Christie, 1970
California City (Dokumentarspielfilm) © Bastian Günther (Drehbuch, Regie), D 2015
Laura Guidi & Band | Freitagabend | t Berlin | Fidicinstraße 38 | Berlin 61
Game over, Krauts! | Season VI | Freitagabend | club49 | Ohlauer Str. 31 | Berlin 36

Er wollte nach London / Du die Sphinx im schwarzen Kleid.

A Disappearing World © Kai von Kröcher, 2017
















Italian girls want cars. +++ Apropos: Gestern Abend im Club konnte ich vorab schon einmal in die noch warmen Aufnahmen zu Laura Guidis erstem Album hineinhören. Wegen des Fluglotsenstreiks (oder des BERs im Allgemeinen oder der Pilotengewerkschaft, man weiß es nicht so genau) – der Gesang jedenfalls konnte in London noch nicht für alle Songs eingesungen werden. Und trotzdem, als verlorengegangener Musikkritiker hatte mich das erste Hören jedenfalls irgendwie sehr berührt, ein großer Moment: Eine ganz neue Laura Guidi sah ich da vor mir – eine mit mir bis dahin noch unbekannten Facetten. +++ Der verlorene Musikkritiker nu wieder. +++ Gedanken zum Sonntag, die sind alle nicht neu: Dass Plastik scheiße ist, wussten wir schon in den Siebzigern. +++ Das Bild heute übrigens stammt aus dem neuen Pirelli-Katalog für geile Böcke einer Fotosession mit dem Mekanik Destrüktiw Komandöh gestern im Hinterhof in der Lausitzer Straße – die haben ja auch noch ein neues Album im Ärmel, das kommt dann im Juni heraus. "Setting" des "Shootings" jedenfalls war: Bastis Eastside-Garage, die wird in den kommenden Jahren leider den Neubauten weichen. Blixa Bargeld ist schuld, kleiner Scherz. Immerhin einer meiner Lieblingsorte auf diesem Planeten, was gar nicht ganz übertrieben ist. +++ Eigentlich ganz schön, heute, da draußen: So langsam lässt er sich nicht mehr negieren, der Frühling! +++ Am Abend im Club dann wieder mit Miezen. +++ Blixa Bargeld ist lieb.

Überschrift inspired by: Er wollte nach London © Udo Lindenberg, 1973
Überschrift also inspired by: Zu nah am Feuer © Stefan Waggershausen & Alice, 1984
Bildunterschrift inspired by: Disappearing World © David Gray, 2005
Lyrics: Some Girls © The Rolling Stones, 1978

I was a Lone Wolf / Elf Freunde müsst ihr sein.

Warnemünde: Morial © Kai von Kröcher, 2004

Warnemünde: Hotel Neptun © Kai von Kröcher, 2004



























Gibt es in Berlin eigentlich auch so Frühstückscafés wie bei uns in Hannover? +++ Zugegeben: An mir ist nicht nur ein Musikkritiker verloren gegangen, das vergessen die meisten. Und nach spätestens zwölf Minuten Fraktus im Fernsehen neulich musst' ich mich innerlich übergeben. +++ Dank seines sprichwörtlich kompromisslosen Stoizismus konnte Kowie Annan sich seinen Sitz im Ohlauer Sicherheitsrat vorübergehend zurückerkämpfen – dieser Fall erhitzt aktuell viele Gemüter. +++ Am 16. März übrigens, das ist kein Geheimnis, sondern ein Donnerstag (wie findet ihr diesen Scherz?), legt der Loungelord bei uns in Berlin auf. +++ Grüße außerdem "in die Staaten": Mein halb-amerikanisches Patenkind Morial hat heute Geburtstag! Damals noch ein bisschen mit Fernweh am Strande von Warnemünde (oben) – heute die unumstrittene Nummer 1 im Kasten des Paris High School Girls Soccer-Teams! Best Wishes nach Texas, wie man hier gerne sagt!!! +++ Bei dem Trip an die Ostsee damals entstand auch jener Klassiker der zeitgenössischen Farbfotografie (Warnemünde: Hotel Neptun, 2004), der seit mindestens zehn oder elf oder zwölf Jahren im Club hängt – das nur so als Zaunpfahl an unsere Barkeeperlegende aus Schleswig-Holstein! +++ Welchen Gag ich außerdem heute noch unbedingt unterbringen wollte: Devid Striesow – one of the most overrated actors in Germany!

Überschrift inspired by: Told You I'd Be With The Guys © Cherry Glazerr, 2016
Überschrift also inspired by: Elf Freunde müsst ihr sein (Jugendroman) © Sammy Drechsel, 1955
Zitat: Brit (damals Freundin meines ältesten Freundes), zu Besuch in Berlin, ca. 1992
"Meryl Streep, one of the most over-rated actresses in Hollywood!" (US-Präsident twittert, Januar 2017)
Devid Striesow (* 1973 in Bergen auf Rügen), deutscher Schauspieler – u.a. in Fraktus (2012)
 
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